Didgeridoo- Spielen lernen

SPIELANLEITUNG für das Didgeridoo A Fünf Grundschritte der Tonerzeugung

Erster Schritt:

vibrierender Grundton (Blastechnik mit locker

entspannten Lippen)


Entspann dich und erlaube dir, etwas ungewohnt

auszusehen. Mach ein paar Gesichtsgrimassen.Öffne und schließe

deinen Mund. Blase deine Wangen auf und presse sie wieder zusammen. Atme aus und lasse

dabei deine Lippen locker vibrieren, als ob du auf einem Kamm bläst. Übertrage diese Übung jetzt

auf das Mundstück des Didgeridoos und konzentriere dich darauf, dass keine Luft um deinen Mund herum entweichen kann. Am Anfang

ist eine mittlere Blasstärke am besten – nicht zu stark und nicht zu

schwach – weil es sonst zu schwierig ist, mir locker vibrierenden Lippen den Grundton zu erzeugen.


Zweiter Schritt:

Variation des Grundtons

Dies beinhaltet: stärkeres und schwächeres Blasen mit Hilfe des

Zwerchfells, Ausüben von Druck auf die Lungen und Mengen und Stärke

der ausgeatmeten Luft durch den Mund variieren. Weitere Tonvariationen

können durch das langsamere oder schnellere Zusammenpressen der Wangen erreicht werden. Die Beherrschung der Wangenknochen kann

einige Zeit dauern, weil sich zu Beginn die Lippenstellung auf dem

Mündstück ändert, wenn du deine Wangen zusammenpresst. Durch

Veränderung der Lippenstellung wird der vibrierende Grundton gestoppt. Mache diese Übung vor einem Spiegel, damit du lernst, die Wangen

völlig zusammenzupressen und gleichzeitig den Grundton beizubehalten.

Der Mund wird schließlich ein Teil des Instruments, und das

Zusammenpressen und Aufblasen der Wangen ändert den Grundton.

Ähnlich ist es mit der Position der Zunge, die auch den Ton verändern kann.


Dritter Schritt: Stimme

Durch Anwenden einer simplen Technik, die auch von

Bauchrednern benutzt wird, können Tier- und Vogelstimmen nachgeahmt

werden. Beginne mit dem Vibrieren des Grundtons und mache mit Hilfe deiner Stimmbänder einen Ton wie ein bellender Hund.

Falls das am Anfang zu schwierig ist, versuche den Ton ohne das

Didgeridoo zu erzeugen. Später wirst du feststellen, dass sich jeder Ton, den

du ohne übermäßige Lippenbewegung produzieren kannst, auf das Didgeridoo übertragen lässt. Eine hilfreiche Übung ist, verschiedene Töne

vor einem Spiegel zu machen und dabei so wenig wie möglich die Lippen zu

bewegen. Wenn du diese Technik einmal beherrschst, kannst du sogar

während des Didgerdoospielens reden und z.B. sagen: „Hallo wie geht´s“.

Zu Beginn ist es jedoch leichter einfache Tier- und Vogelstimmen zu üben.

Australische Didgeridoospieler ahmen häufig Tiere aus dem australischen

Busch nach, wie z.B. Dingo, Kookaburra (Lachvogel), Mo-poke (Eule) und

Feral Donkey (wilder Esel).


Vierter Schritt: Die Zunge

Die Zunge wird dazu benutzt, um die Form des Mundes zu verändern

oder aber um Töne zu produzieren, wie z.B. das Geräusch eines

hüpfenden Kängurus über eine offene Ebene. Diesen Ton kannst du

erzeugen, wenn du beim Spielen des vibrierenden Grundtons schnell

und kurz die Zunge auf den Gaumen legst. Durch diese Bewegung

entsteht ein Vakuum, von dem aus eine kleine Schockwelle zum Instrument

führt und den beschriebenen Ton erzeugt. Nun stelle dir einen zurückkehrenden

Boomerang vor, der durch die Luft fliegt. Dieser Ton entsteht, wenn doch deine

Zunge während dem vibrierenden Grundton rapide auf und ab bewegt. Dieser Effekt lässt sich noch verstärken, wenn du Wangen näher zusammenbringst

und die Zunge nach vorne schiebst.

Die Zunge hat eine wichtige Rolle beim traditionellen Didgeridoospielen,

z.B. kannst du während des Spielens „do-do-didero“ sagen und dadurch

die Zungenarbeit betonen.


Fünfter Schritt: Obertöne oder Harmonien

Indem du mit anliegenden Wangen und vorgeschobener Zunge spielst,

lässt sich mit dem Didgeridoo eine Vielfalt von feinen Obertönen erzeugen,

die die Gesamtwirkung in Fülle und Farbe bereichern. Dies kann später

auch ganz von selbst beim Spielen entstehen. Bei richtiger Anwendung

und Verbindung dieser fünf Grundschritte kann jetzt ein musikalischer Rhythmus produziert werden.



B. Zirkulierendes Atmen


Normalerweise ist es unmöglich, gleichzeitig ein- und auszuatmen.

Das sogenannte zirkulierende Atmen kannst du jedoch mit Hilfe einer

speziellen Technik erlernen. Dabei wird mit Hilfe der beiden Wangen

und der Zunge Luft aus dem Mund gepresst und gleichzeitig kurz

durch die Nase eingeatmet. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten,

diese Fähigkeit zu entwickeln und zu vertiefen. Der Einfachheit halber

habe ich diesen Lernprozess in acht Schritte unterteilt.


Erster Schritt

Stärkung der Wangenmuskulatur. Im täglichen Leben sorgen

unsere Wangen u.a. dafür, dass uns die Nahrung beim Essen nicht

aus dem Mund fällt. Wenn jedoch etwas Außergewöhnliches verlangt wird, wie z.B. das Didgeridoospielen, ist geduldiges Üben

notwendig. Schau in einen Spiegel, blase deine Wangen auf, presse

sie zusammen und wiederhole diesen Vorgang kontinuierlich.

Übertreibe es am Anfang nicht zu sehr, da es schmerzhaft werden

könnte. Die Betonung sollte auf dem Zusammenpressen der Wangen

liegen, da dies später wichtig ist, um Luft in das Didgeridoo zu blasen,

während du durch die Nase einatmest.


Zweiter Schritt

Blase deine Wangen auf. Dann nimm beide Hände und drücke sie

gegen deine Wangen, so dass die Luft gegen den Widerstand der

Lippen mit einem knallenden, prustenden oder „furzendem“ Laut

entweichen kann. Dieser Ton zeigt dir, dass du auf dem richtigen Weg bist.


Dritter Schritt

Wiederhole Schritt zwei und atme dabei zusätzlich kurz durch

die Nase. Wichtig ist, dass du diese beiden Übungen gleichzeitig

machst. Es ist möglich, dass du das nicht auf Anhieb schaffst. Dann

probiere es zunächst einmal mit Hilfe von Wasser. Gehe ins Freie

oder an ein Waschbecken und fülle deinen Mund mit Wasser.

Presse das Wasser mit beiden Händen auf die vorher beschriebene

Weise aus dem Mund und atme dabei kurz durch die Nase ein und aus. Wenn du das kannst, wiederhole diese Übung nur mit Luft.


Vierter Schritt

Jetzt lasse deine Hände weg und presse nur mit Hilfe deiner

Wangenmuskulatur die Luft aus deinem Mund. Gleichzeitig, mit

jedem Entweichen der Luft durch den Mund, atme kurz durch die Nase ein.


Fünfter Schritt

Übertrage diese Technik nun auf das Didgeridoo. Die eingeatmete

Luft wird jetzt mittels des vibrierenden Grundtons in das Didgeridoo

gestoßen.


Sechster Schritt

Nun wird die Übung noch etwas schwieriger. Lasse die

Lippenvibration schwächer werden, presse deine Wangen zusammen

und atme dabei ein. So wird aus dem lauten, prustenden Ton der vibrierende Grundton. Nun fahre mit dieser ÜÜbung fort,

bis ein zusammenhängender Ton entsteht.


Siebter Schritt

Um diese neuerlernte Technik noch besser zu entwickeln, gibt

es eine gute Übung. Stelle einen Strohhalm in ein Glas Wasser und

presse mit Hilfe von Wangen und Zunge die Luft durch den Strohhalm in

das Wasser, wobei Blasen entstehen. Erzeuge nun einen ununterbrochenen

Strom von Blasen und atme dabei in kurzen Zügen durch die Nase ein.

Bei dieser Übung geht es darum, dass du während des Einatmens durch

die Nase das ständige Blasenerzeugen (= Ausatmen)durch den Mund

nicht unterbrichst.


Achter Schritt

Es gibt noch eine weitere Methode, um das zirkulierende

Atmen zu erlernen. Spiele den vibrierenden Grundton, presse die Wangen

zusammen und blase sie auf. (Stelle dir einen Schmied vor, der einen

Blasebalg bearbeitet.) Wenn du das gut kannst, dann atme bei jedem

zweiten Zusammenpressender Wangen ein, wie vorher beschrieben.



Quelle: Didgeridoo – Ein Kurs für Anfänger; Alastair Black